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Kurt Eisner – Ermordet am 21. Februar 1919: Erinnerung an den Gründer des Freistaats Bayern
Am 21. Februar 1919, heute vor 106 Jahren, wurde Kurt Eisner auf dem Weg zum bayerischen Landtag ermordet. Sein Tod markiert einen der dramatischsten Momente der frühen deutschen Demokratiegeschichte. Eisner war nicht nur der erste Ministerpräsident des Freistaats Bayern, sondern auch eine der zentralen Figuren der Revolution von 1918/19, die das Ende der Monarchie in Bayern und ganz Deutschland einleitete.
Der Gründer des Freistaats Bayern
Am 7. November 1918 rief Eisner den „Freistaat Bayern“ aus und beendete damit die jahrhundertealte Herrschaft der Wittelsbacher. Sein Ziel war ein demokratisches, parlamentarisches Bayern, das sich von der autoritären Politik des Kaiserreichs löste. Er verstand den Begriff „Freistaat“ als Ausdruck politischer Freiheit, demokratischer Selbstbestimmung und republikanischer Erneuerung.
Heute wird dieser Begriff gerne von konservativen Kreisen und insbesondere der CSU als identitätsstiftendes Symbol bayerischer Besonderheit verwendet. Dabei wird oft übersehen, dass „Freistaat“ kein exklusiv bayerisches Konzept ist. Auch Sachsen und Thüringen tragen diesen Titel – und zwar ebenfalls aus revolutionären, linken und demokratischen Traditionen heraus.
Freistaat – keine Sonderautonomie, sondern Symbolik
Wichtig ist: Der Begriff „Freistaat“ verleiht keinem Bundesland besondere Rechte. In der föderalen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland besitzen alle 16 Länder dieselben verfassungsmäßigen föderalen Kompetenzen. Bayern, Sachsen und Thüringen haben also keine Sonderautonomie, sondern lediglich eine historische Bezeichnung, die föderalistisch und demokratische Symbolik transportiert.
Eisner als demokratischer Sozialist
Kurt Eisner war demokratischer Sozialist und überzeugter Linker. Bei der Landtagswahl 1918 gewann seine Partei, die USPD, die Mehrheit. Als er 1919 die Wahlen verlor, wollte er – ganz im Sinne demokratischer Verantwortung – persönlich zum Landtag gehen, um seinen Rücktritt zu erklären.
Doch dazu kam es nicht. Auf dem Weg dorthin wurde er von dem rechtsextremen Attentäter Anton Graf von Arco auf Valley erschossen.
Ein Zitat des Täters zeigt die ideologische Motivation des Mordes:
„Eisner ist Bolschewist, er ist Jude, er ist kein Deutscher, er fühlt nicht deutsch, untergräbt jedes vaterländische Denken und Fühlen, ist ein Landesverräter.“
Diese Worte spiegeln die antisemitischen und antidemokratischen Denkmuster wider, die in der damaligen Rechten weit verbreitet waren. Eisner war jüdischer Herkunft, aber er war kein Bolschewist. Er war ein demokratischer Linker, der sich ausdrücklich gegen autoritäre Entwicklungen – auch gegen die in Russland – wandte. Die Behauptung eines „jüdischen Bolschewismus“ ist eine antisemitische Verschwörungserzählung, die in dieser Zeit gezielt verbreitet wurde.
Ein Klima politischer Gewalt
Eisners Ermordung war kein Einzelfall. In derselben Phase wurden in Berlin Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von rechtsradikalen Freikorps ermordet. Die junge deutsche Demokratie war von Anfang an von politischem Terror bedroht – und die Gewalt richtete sich vor allem gegen linke, demokratische und republikanische Akteure.
Warum Eisners Erinnerung wichtig bleibt
Kurt Eisner steht für:
- den Übergang von der Monarchie zur Demokratie
- den Mut, politische Verantwortung zu übernehmen
- die Idee eines freien, föderalen Bayern innerhalb eines demokratischen freien föderalen deutschen Bundesstaat
- den Kampf gegen Militarismus und autoritäre Politik
- die Gefährdung demokratischer Bewegungen durch rechten Terror
Sein Tod erinnert uns daran, wie zerbrechlich demokratische Errungenschaften sein können – und wie wichtig es ist, ihre historischen Wurzeln nicht zu verzerren oder zu vergessen.
Quelle: www.bundesarchiv.de
Quelle: www.muenchner-stadtmuseum.de
Quelle: bayern.rosalux.de
https://bayern.rosalux.de/kurt-eisner
Quelle: www.spiegel.de
Quelle: www.gew-bayern.de
Quelle: my-politics-blog.com
https://my-politics-blog.com/rosa-luxemburg-106-todestag-die-freiheit-des-andersdenkenden/
Quelle: my-politics-blog.com
https://my-politics-blog.com/markus-soeders-vorstoss-foederalismus-unter-druck/
Quelle: my-politics-blog.com
https://my-politics-blog.com/neue-linke-buendnise-in-deutschland/




