AfrikaDeutschlandNamibia

Der oft vergessene koloniale Genozid an den Herero und Nama

Beitragsbild Foto-Quelle: www.shutterstock.com Asset-ID: 2636657723 Foto-Anbieter: Teenazz

Der vergessene koloniale Genozid des Deutschen Kaiserreichs an den Herero und Nama

Während Deutschland die Verbrechen des Nationalsozialismus intensiv aufarbeitet – mit Gedenkstätten, Schulbesuchen in ehemaligen Konzentrationslagern und einer breiten Erinnerungskultur – wo hingegen der Faschismus in Italien und Spanien unter Mussolini und Franco, oder der Stalinismus die Verbrechen Stalins in Russland und teilen des postsowjetischen Raums bis heute kaum aufgearbeitet wurden, bleibt ein anderes Kapitel deutscher Geschichte erschreckend blass im kollektiven Bewusstsein: Die kolonialen Verbrechen des Deutschen Kaiserreichs zwischen 1871 und 1918. Besonders der Genozid an den Herero und Nama in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) gehört zu den dunkelsten, aber zugleich am wenigsten aufgearbeiteten Episoden deutscher Geschichte.

Der Weg in den Genozid: Der Herero- und Nama-Aufstand 1904–1908

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschärfte sich die koloniale Unterdrückung in Namibia der damals sogenannten Kolonie „Deutsch-Südwestafrika“ dramatisch. Deutsche Siedler eigneten sich immer größere Teile des Landes an, enteigneten die indigene Bevölkerung und zwangen sie in ein System aus Zwangsarbeit, Schuldenfallen und rassistischer Gewalt. Die Herero und später die Nama erhoben sich 1904 gegen diese koloniale Unterdrückung.

Die Reaktion des Deutschen Kaiserreichs war brutal und systematisch geplant. General Lothar von Trotha wurde entsandt, um den Aufstand „niederzuschlagen“. Sein berüchtigter Vernichtungsbefehl markierte den Übergang von kolonialer Gewalt zu einem gezielten Genozid. Herero, die nicht das Land verließen, sollten „mit Waffengewalt vernichtet“ werden. Deutsche Truppen trieben Zehntausende Herero in die wasserlose Omaheke-Wüste, wo sie verdursteten oder verhungerten. Brunnen wurden vergiftet oder bewacht, um jede Rückkehr unmöglich zu machen.

Auch die Nama, die sich dem Widerstand anschlossen, wurden systematisch verfolgt, ermordet oder in Konzentrationslager verschleppt. In Lagern wie auf der Haifischinsel herrschten Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen – die Sterberaten lagen bei bis zu 80 Prozent.

Zwischen 1904 und 1908 wurden etwa 100.000 Herero und Nama ermordet. Es wird oft als der erste Genozid des 20. Jahrhunderts bezeichnet.

Jahrzehntelanges Leugnen und späte Anerkennung

Nach dem Ende des Kaiserreichs und später auch nach 1945 tat sich Deutschland schwer, die kolonialen Verbrechen überhaupt als solche anzuerkennen. Über Jahrzehnte wurde der Genozid relativiert, verharmlost oder vollständig ignoriert. Erst im 21. Jahrhundert begann ein langsames politisches Umdenken.

Ein Wendepunkt war das Jahr 2015, als der damalige Bundestagspräsident Norbert Lammert öffentlich erklärte, dass die Ereignisse im damaligen „Deutsch-Südwestafrika“ eindeutig als Völkermord zu bezeichnen seien. Diese Stellungnahme durchbrach erstmals die jahrzehntelange politische Zurückhaltung. In den folgenden Jahren begannen offizielle Verhandlungen zwischen Deutschland und Namibia über Anerkennung, Entschuldigung und Wiedergutmachung.

Doch trotz dieser Fortschritte bleibt der Genozid in der deutschen Bevölkerung weitgehend unbekannt. Viele wissen kaum etwas über die koloniale Vergangenheit Deutschlands, geschweige denn über die systematische Gewalt, die im Namen des Kaiserreichs verübt wurde.

Warum die Aufarbeitung des Kolonialismus überfällig ist

Deutschland hat gezeigt, dass eine tiefgreifende Erinnerungskultur möglich ist – etwa im Umgang mit dem Holocaust. Doch im Vergleich dazu bleiben die kolonialen Verbrechen des Kaiserreichs nahezu unsichtbar. Gerade Deutschland, das in der Welt als Vorbild für Erinnerungskultur gilt, sollte hier konsequent sein.

Eine umfassende Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus ist dringend notwendig. Dazu gehören:

Gedenkstätten

Die an die Opfer kolonialer Gewalt erinnern

Schulische Bildung

Die Kolonialgeschichte nicht als Randthema behandelt

Umbennungen von Straßen und Plätzen

Die bis heute Kolonialverbrecher ehren

Entschädigung für die Nachkommen der Opfer des Genozids

Eine angemessene Entschädigung für die Nachkommen der Opfer des kolonialen Völkermord

Forschung und öffentliche Debatten

Die die Strukturen des Kaiserreichs kritisch beleuchten

Auch die Symbolik spielt eine Rolle: Die Farben des imperialistischen Kaiserreichs – Schwarz-Weiß-Rot – wurden später bewusst vom Nationalsozialismus aufgegriffen. Sie stehen für Militarismus, Expansion und autoritäre Herrschaft. Die Farben der heutigen Bundesrepublik – Schwarz-Rot-Gold – hingegen wurzeln in den demokratischen Bewegungen von 1848, mit denen sich beispielsweise auch Karl Marx oder Friedrich Engels identifieziert hatten, die Freiheit, Einheit und die Ablehnung kolonialer Unterdrückung forderten.

Fazit: Eine demokratische Gesellschaft muss ihr koloniales Erbe kennen

Wer eine demokratische, offene Gesellschaft sein will, muss sich den dunklen Kapiteln der eigenen Geschichte stellen. Der Genozid an den Herero und Nama ist kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil deutscher Geschichte. Seine Aufarbeitung ist nicht nur ein Akt historischer Gerechtigkeit, sondern auch eine Voraussetzung dafür, aus der Vergangenheit zu lernen.

Deutschland hat gezeigt, dass es Erinnerungskultur ernst nehmen kann. Jetzt ist es Zeit, diesen Anspruch auch auf die koloniale Vergangenheit auszudehnen.

Quelle: www.bpb.de

https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/335257/voelkermord-an-herero-und-nama-abkommen-zwischen-deutschland-und-namibia/

Quelle: www.bundesregierung.de

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/gedenken-herero-und-nama-2350348

Quelle: www.amnesty.de

https://www.amnesty.de/aktuell/namibia-voelkermord-deutschland-entschaedigung-ovaherero-nama

Quelle: my-politics.blog.com

https://my-politics-blog.com/nationalsozialismus-faschismus-und-rechtsextremismus-als-imperialistische-ideologie/

Quelle: my-politics-blog.com

https://my-politics-blog.com/kurt-eisner-bayerischer-ministerpraesident-ermordet-am-21-februar-1919/

Quelle: my-politics.blog.com

https://my-politics-blog.com/griechenland-die-vergessene-krise/

Schlagwörter: Afrika, Antifaschismus, Bundesregierung, Bundesrepublik Deutschland, Demokratie, Deutsches Kaiserreich, Deutschland, Europa, FCK AFD, FCK Franco, FCK Mussolini, FCK NZS, FCK Stalin, gegen CDU/CSU, gegen Faschismus, gegen Genozide, gegen Imperialismus, gegen Kolonialismus, gegen Monarchie, Genozid, Hereo, Kolonialismus, Kolonien, Nama, Namibia, Österreich, Schweiz, Selbstbestimmung, Selbstbestimmungsrecht, Selbstbestimmungsrecht der Völker, Selbstbestimmungsrecht der Völker und Nationen, Süd-Tirol, Tirol, UN-Charta, Völkermord

Ähnliche Beiträge

Meist angesehene Artikel
Es wurden keine Ergebnisse gefunden.